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Autor: Ulrike Götz
goetz@vfz-verlag.de

Lesedauer: 4 min

Aufzugstag TÜV Austria

TÜV AUSTRIA Aufzugstag im MQ Wien

Am 21. April 2021 fand im MQ Wien die Jubiläumsveranstaltung des 20. TÜV Austria Aufzugstages in einem Hybridformat statt, teils als Präsenz- und teils als digitaler Event.

Mag. (FH) Christian Bayer von der TÜV Austria Akademie eröffnete die Veranstaltung, die aufgrund der Corona-Pandemie, bereits zum zweiten Mal in diesem Hybridformat stattfinden musste.

Aufzugstag TÜV Austria
Christian Bayer, Aufzugstag TÜV Austria

Der erste Vortrag wurde von Ing. Thomas Maldet vom TÜV Austria gehalten. Er informierte über die aktuellen Entwicklungen im Aufzugsbereich, dabei rückt die Pandemie das Sicherheitsbedürfnis der Menschen in den Fokus von Herstellern und Betreibern.

Aufzugstag TÜV Austria
Thomas Maldet, Aufzugstag TÜV Austria

Die technische Gefahrlosigkeit beim Aufzug wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Dazu dienen Gesetze, Normen und Richtlinien dabei der Schaffung und Aufrechterhaltung dieser Sicherheit.

Die Digitalisierung unterstützt dies ebenso, so kann die physische Wartung durch elektronische Überwachung ersetzt werden, ebenso sind Remote-Eingriffe möglich.

Durch die Pandemie kommen weitere Aspekte in den Fokus, die sich hinter dem Kontext „Hygienische Bedingungen“ verbergen. So rücken nun Begriffe wie „Aerosole im Fahrkorb“ und die Überlebensfähigkeit von Viren auf Oberflächen, wie z. B. bei den Tastern in den Mittelpunkt des Interesses.

Thomas Maldet ging im Anschluss besonders auf die Auswirkungen von Covid 19 auf den Aufzugsbetrieb und der Umgang mit den neuen Fragestellungen.

Zum Schluss erläuterte er den Sicherheitsbericht 2020: Bei ähnlich großer Anzahl der Prüfungen sind die Unfallzahlen im Jahr 2020 sowohl bei den Aufzügen als auch bei den Fahrtreppen gesunken. Möglicherweise ist eine Ursache dafür in der Pandemie zu finden: viele Menschen verzichten aktuell auf die Fahrt im Aufzug oder der Fahrtreppe. Zudem ist insgesamt die Mobilität durch Homeoffice etc. gesunken.

Aufzugstag TÜV Austria
Aufzugstag TÜV Austria

Beim Aufzug sind die häufigsten Unfallursachen beim Einklemmen an der Fahrkorbtür oder Stolpeen zu finden. Bei den Fahrtreppen geschehen viele Unfälle durch Mitnahme von Gegenständen wir Rollatoren, Einkaufswagen, Gepäckstücke etc. die häufigste Unfallart sind allerdings Stürze.

Dipl. Ing. Stephan Störmer beschäftigt sich mit der Frage: Risikofaktor Erdbeben, Sicher im Aufzug?

„Heftiges Erdbeben im Raum Neunkirchen“, „Wieder Erdbeben im Wiener Becken“ – derartige Schlagzeilen zeigen, dass es in Österreich Gebiete mit realer Gefährdung gibt. Zwar waren die meisten der ca. 100 Beben im April 2021 unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, aber einige waren spürbar: Die stärkste Erschütterung erreichte eine Magnitude von 4,6 nach Richter.

TüV Austria Aufzugstag
TüV Austria Aufzugstag

Ereignisse wie diese führen bereits zu leichten Gebäudeschäden und können auch Aufzüge beeinflussen. Die europäische Aufzugsrichtlinie verlangt, dass im Zuge der Errichtung von neuen Aufzügen die Betriebsbedingungen betrachtet und bei potenzieller Gefährdung Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen.

Die europäische Norm EN 81-77 definiert Maßnahmen, die man ergreifen kann, um Aufzüge erdbebensicher zu machen. Diese reichen von Notführungen – für den Fall, dass der Aufzug aus den Führungsschienen entgleist – bis zu Schwingungssensoren. Letztere bewirken, dass der Aufzug im Fall des Falles in die nächste Haltestelle fährt und dann stillgesetzt wird. Diese Norm kann bei Gebäuden, die nach dem Eurocode 8 (gilt für die Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben) errichtet wurden, angewendet werden. Entspricht das Gebäude nicht diesen Anforderungen, so sind bei Vorliegen einer Gefährdung trotzdem Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Diese Maßnahmen sind im Zuge des Inverkehrbringens in der Regel durch einen „Notified Body“ (Benannte Stelle) wie den TÜV Austria zu prüfen.

Generell kam es in den letzten Jahren zu einer verstärkten Bewusstseinsbildung für die Gefährdung durch Erdbeben. Die Baubehörde der Stadt Wien hat eine Leitlinie veröffentlicht, die beschreibt, wie vorzugehen ist. Sie dient als Hilfestellung bei der Ermittlung der Erdbebenkategorie für Personen- und Lastenaufzüge in Wien. Für noch mehr Sicherheit im Aufzug wird ein Nachziehen anderer Bundesländer erwartet.

Mag. Jürgen Schlechter vom ABC Abwehrzentrum des Österreichischen Bundeswehrs informiert die Teilnehmer über die Corona Pandemie und die notwendige Prävention. Zu Beginn seines Vortrags stellt er die Aufgaben und Arbeiten des ABC-Abwehrzentrum vor. Das Zentrum hat in Österreich eine Alleinstellung mit den Aufgaben rund um die Pandemie. Seit Beginn des Virusausbruchs war dies Expertenteam bei über 400 Einsätzen aktiv. So entwickelten sie z. B. eine Lösung zur Wiederaufbereitung von FFP-Schutzmasken und Erstellten Hygiene und Präventionskonzepte. Gleichsam wurde die Art und Weise der Flächentestungen und Maßnahmen zur Desinfektion aufgebaut. Ein wichtiger Bestandteil der Tätigkeiten bestand in der Beratung von Gesundheitsbehörden, GOs, NGOs und Firmen. Jürgen Schlechter erläutert die Ausgangslage, mit dem Fokus auf Firmen. Die Mitarbeiter sind Opfer, Wirt und Überträger des Virus gleichzeitig. Ein Infizierter kann im Unternehmen mehrere Kollegen anstecken und dafür sorgen, dass diese für mehrere Tage ausfallen. Er stellt fest, große Risiken liegen in den Bereichen der Kommunikation, Betreuung und Unterkunft, sowie beim Transport. Die Infektionen finden dabei sowohl im als auch außerhalb des Unternehmens statt. Durch Fahrgemeinschaften, Dienstreisen oder zu geringen Abständen. Es müssen klare Handlungsanweisungen und Schulungen der Mitarbeiter angefertigt werden. Zudem müssen individuelle Hygienekonzepte für die Betriebe aufgebaut werden, mit Fokus auf Mindestabstand, der Lenkung von Menschenströmen (Aufzug, Gang, versch. Abteilungen), Containment (fixe Teams, zeitliche Verschiebung von Arbeits- oder Pausenzeiten), Schutzausrüstung, Anleitung zum selbständigen Gesundheitscheck mit Tagesprotokollen.

Regelmäßige Schnelltests als Screening, evtl. auch für Angehörige vervollständigen diesen Prozess, wobei zu beachten ist, dass Tests immer nur eine Momentaufnahme darstellen.

Eine solches Konzept kann viel Zeit einsparen, wenn ein Fall zu melden ist.

Die derzeitige Virus-Situation wird laut Mag. Jürgen Schlechter, zumindest bis 2022 anhalten.

Aufzugstag TÜV Austria

Auch im Vortrag von Ing. Philippe Wanzenböck, TÜV Austria wurde der Umgang mit dem Corona Virus behandelt: „Pandemie & Prävention: Organisatorische Lösungen im Aufzugsbereich“.

Was kann der Betreiber, der Hausverwalter, oder der Haustechniker betreffend einer möglichen Ansteckung mit SARS-CoV2 im Aufzug oder auf der Fahrtreppe tun, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren?

Ing. Philippe Wanzenböck stellte einige Möglichkeiten vor, die Sicherheit bei der Nutzung von Aufzügen und Fahrtreppen zu erhöhen:

  • Fahrgastzahlen per Hinweis im Fahrkorb reduzieren
  • Durch Benutzerhinweise im Fahrkorb auf Hygienemaßnahmen verweisen
  • Regelmäßiges Desinfizieren der Bedienelemente und der Handläufe im Zuge der periodischen Gebäudereinigung
  • Prüfen, ob ein Parken mit offenen Aufzugstüren in den Haltestellen zwecks Luftwechsel möglich ist, hierbei ist zu beachten, dass auch wenn das Umprogrammieren der Anlage technisch möglich ist, es möglicherweise technische und rechtliche Gründe gibt, die das Parken mit offener Türe nicht zulassen!

Bei den Fahrtreppen könnten folgende Lösungen angewendet werden:

  • Abstandsregel per Hinweis auf den Balustraden in Erinnerung rufen
  • Abstandsmarkierungen auf der Fahrtreppe anbringen
  • Durch Benutzerhinweise bei den Zu- und Abgängen auf Hygienemaßnahmen verweisen
  • Durch Verkehrsfluss-Regulative Menschenansammlungen in den Stauräumen der Fahrteppen vermeiden

Technische Lösungen rund um die Pandemie&Präventation stellte Christoph Oppitz MA der Kone AG vor. Anhand einer Illustration „Zeitachse während der Pandemie im Verhältnis zu den Nutzerzahlen“ wurde die Bedenken der Menschen bei der Nutzung von Aufzugs- und Fahrtreppenanlagen im zeitlichen Verlauf der Pandemie gezeigt. Der Hersteller Kone beschäftigt sich mit der Frage ganzheitlich, indem alle Bereiche eines Gebäudes betrachtet werden und dabei die Besorgnisse der Nutzer mit technischen Konzepten gelöst werden können.

Am Beispiel der Produkte von Kone wurden die einzelnen Produkte von Christoph Oppitz ausführlich demonstriert und vorgestellt.

Der Markt für diese Produkte ist derzeit sehr dynamisch und innovativ um den Nutzern die bestmögliche Sicherheit bieten zu können.

Ing. Thomas Maldet fasste am Ende der Veranstaltung die vorgestellten Informationen zusammen. Zwar leben wir offensichtlich in keiner völlig sicheren Welt, aber durch Anpassung und Findung neuer kreativer technischer Lösungen, kann in der Aufzugs- und Fahrtreppenwelt die Sicherheit weiterhin erhalten werden.

Information

TÜV AUSTRIA AKADEMIE GMBH 
TÜV AUSTRIA-Platz 1, 2345 Brunn am Gebirge 
Österreich
 +43 (0)5 0454-8000
akademie@tuv.at
www.tuv-akademie.at

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